Chiwetel Ejiofor in a film still from "Half of a Yellow Sun" ©2012 Shareman Media Limited / The British Film Limited / Yellow Sun Limited

Der großartige Unerkannte

Ein Porträt von Tanja Knieps

Die dunkel glänzend, etwas hervorstehenden Augen blitzen, der junge Mann auf den Fotos der internationalen Yellowpress sieht unglaublich glücklich aus. Egal, in welcher Situation die Fotografen ihn ablichten, der Oscar-Nominierte Chiwetel Ejiofor (36) – sprich: Tschuwetel Edschiofor – lächelt freundlich. Und doch ist da noch etwas anderes. Nicht die große Narbe auf seiner Stirn. In seinen Augen. Etwas Tiefes, Erfahrenes.

Fleißig

Von diversen Medien als der neue Shootingstar gefeiert, ist Chiwetelu Umeadi „Chiwetel“ Ejiofor allerdings schon ein alter (Schauspiel-)Hase. Als 13jähriger beginnt er, Theater zu spielen und wird Mitglied des „National Youth Theatre“ in London. Seine erste Kinorolle spielte er 1997 in Steven Spielbergs Blockbuster „Amistad – Das Sklavenschiff“, da war er gerade einmal drei Monate an der „London Academy of Music and Dramatic Art“ eingeschrieben. Danach folgten 22 Filme wie „Dirty Pretty Things“ (2002), „Tatsächlich … Liebe“ (2003), „2012 – Das Ende der Welt“ (2009), „Salt“ (2010) und „Phil Spector“ (2013) – um nur die Bekanntesten zu nennen –, sechs TV-Serien und neun Theaterengagements. Ganz nebenbei produziert er selbst auch Dokumentationen und führt Regie bei Kurzfilmen.
Ein Arbeitstier. „Ich habe kaum Zeit dafür, mich mit mir selbst zu beschäftigen, weil ich ja ständig in die Köpfe anderer Menschen krieche. Ich sollte vielleicht mehr Urlaub machen“, sagte er „The Guardian“ kürzlich. Aber sein Eifer wird belohnt. Über 50 Awards und noch einmal halb so viele Nominierungen hat der bescheidene Londoner bisher für seine Rollen in Theater, Film und Fernsehen gesammelt. Darunter den Laurence Olivier Award für seine Theaterdarbietung als „Othello“ und den BAFTA Award für seine Hauptrolle in „Phil Spector“.
Zeit für ein Hobby findet der Sohn nigerianischer Einwanderer dazu auch noch – mit seiner kleinen Motorjacht macht er gern die Kanäle in und um London unsicher.

Flucht nach vorn

Leicht bekommt man den Eindruck eines Fliehenden. Vor allem, wenn man seine Geschichte erfährt. Ejiofor war 11 Jahre alt, als er mit seinem Vater bei einem Familienbesuch in Nigeria in einen Autounfall geriet. Der Sohn lag mit Knochenbrüchen wochenlang im Krankenhaus, der Vater starb. Die Narben auf Chiwetels Stirn sind bis heute sichtbar. Ist da Fliehen oder Verdrängen überhaupt möglich?
Auf den Unfall angesprochen sagt er heute: “Die ersten Male, als ich danach wieder in Nigeria war, waren schwierig für mich. Aber du gewöhnst dich dran.“ („The Independent“)
Sonst erfährt man von seinem Privatleben eher wenig. Die Mutter ist Apothekerin, seine jüngere Schwester Zain Asher Ejiofor arbeitet als CNN-Korrespondentin in New York. Zu Freundin Sari Mercer, einem kanadischen Model und ebenfalls Schauspielerin, äußert er sich ganz bewusst nicht.
Hört sich eher nach Verarbeiten als nach Verdrängen an. Vielleicht will er auch einfach nur alles vom Leben und aus dem Leben herausholen, was sich ihm bietet. Das Talent dafür hat er.
Warum ist er uns nicht schon früher aufgefallen? Vielleicht liegt es an seinem Namen. Den er nicht ändern will, auf den er stolz ist.
Zuletzt sah man Chiwetel Ejiofor in der Hauptrolle als Sklave Solomon Northup in „12 Years a Slave“ und erst jetzt bekommt Ejiofor die Aufmerksamkeit, die ihm zusteht. Durch die Rolle, die ihm bereits über 30 internationale Preise eingebracht hat. Und nun endlich eine Oscar-Nominierung als „Bester Hauptdarsteller“.

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